Problematischer Alkoholkonsum ist in Deutschland weit verbreitet – unter den 18-bis 59-Jährigen sind es etwa 20 Prozent. Abhängig von der zu Grunde liegenden Datenquelle, der Definition und Population zeigen epidemiologische Studien, dass etwa 7,6 Millionen Menschen in Deutschland Alkohol in riskantem Ausmaß konsumieren. Davon erfüllen 1,6 Millionen Menschen die Kriterien für einen missbräuchlichen Alkoholkonsum und 1,7 Millionen Menschen sind alkoholabhängig.

Neben individuellen Folgen, wie dem erhöhten Risiko für die Entwicklung von körperlichen und psychischen Folgeerkrankungen, steht problematischer Alkoholkonsum in direktem Zusammenhang mit Verletzungen infolge von Gewalt und Unfällen. So werden in der International Classification of Diseases (ICD)-10 der Weltgesundheitsorganisation mehr als 40 Diagnosen aufgeführt, die in einem kausalen Zusammenhang mit übermäßigem Alkoholkonsum stehen. Die alkoholbezogenen Gesamtfolgekosten für Deutschland werden auf mehr als 30 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Betrachtet man die  Krankenhausstatistik in Deutschland, fallen einem auch hier die alkoholbezogenen Störungen auf: Sie stellten die zweithäufigsten Diagnosen bei Patienten in stationärer Behandlung dar.

Leitlinien sind ein wichtiges Steuerungselement in der medizinischen Versorgung, deren Nutzen aber von der Akzeptanz und Umsetzung abhängig ist. Unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V. (DG-Sucht) wurde eine Leitlinie zu Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen erstellt. Sie hat das Ziel, die Versorgung in den medizinischen und psychosozialen Bereichen zu verbessern und eine angemessene, professionelle Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Alkoholproblemen sicherzustellen. Studien zeigen, dass die alleinige Entwicklung und Veröffentlichung einer Leitlinie oftmals nicht ausreichend ist und ein Bedarf an effektiven Umsetzungsstrategien besteht, um Leitlinienempfehlungen in der Regelversorgung nachhaltig zu verankern.

Ziel des Ende 2017 gestarteten Forschungsprojektes „Implementierung und Evaluation der S3-Leitlinie zu Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen“ (IMPELA) ist es, geeignete Umsetzungsstrategien zu entwickeln und deren Implementierung in der Modellegion Bremen zu evaluieren.